Zinsfantasie trifft Realitätscheck: Arbeitsmarkt kippt, Inflation stabilisiert sich
Die erste Dezember-Woche bringt ein ambivalentes Bild für die Märkte: Während die Fed mit erneut moderaten Inflationsdaten Rückenwind für Zinssenkungen erhält, sorgen schwache US-Arbeitsmarktdaten für Unsicherheit. In Europa rückt der Inflationstrend ebenfalls in den Fokus – mit weiterhin rückläufiger Dynamik, vor allem in Deutschland. Politisch dominiert ein zunehmend aggressiver Ton in den USA, u. a. durch zwei Ansprachen von Ex-Präsident Trump.
Die wichtigsten Makrotermine im Überblick:
Montag, 1. Dezember
- 04:00 Uhr (USD) – ISM Manufacturing PMI: Deutlicher Rückgang auf 48,2 – signalisiert Kontraktion in der US-Industrie.
- ISM Prices Paid: leicht gefallen auf 58,5, aber noch zu hoch für eine klare Disinflation.
Dienstag, 2. Dezember
- 11:00 Uhr (EUR) – Inflationsdaten EU:
- Kern-CPI y/y: stabil bei 2,4 %
- Headline-CPI: Rückgang auf 2,2 % → moderater disinflationärer Impuls
- 20:00 Uhr (USD) – Rede von Trump mit wachsendem Einfluss auf Märkte → mögliche Volatilität bei USD und Risikoassets
- Weitere Wortmeldungen: Powell, BoE-Gouverneur Bailey, RBA-Gouverneurin Bullock
Mittwoch, 3. Dezember
- 01:30 Uhr (AUD) – BIP-Wachstum Q/Q: nur +0,4 %, unter den Erwartungen → mögliche Belastung für AUD
- 08:30 Uhr (CHF) – CPI m/m: –0,2 % – Schweiz wieder leicht deflationär
- 14:15 Uhr (USD) – ADP Job Change: –32.000 → starker Rückgang, schwächt Zinserwartungen
- 16:00 Uhr (USD) – ISM Services PMI: überraschend robust bei 52,6 → Dienstleistungssektor trägt die US-Wirtschaft
- Reden von Lagarde und Trump folgen abends
Donnerstag, 4. Dezember
- 14:30 Uhr (USD) –
- Challenger Job Cuts: +175 % (!) y/y → Frühindikator für schwächenden Arbeitsmarkt
- Jobless Claims: 219K (leicht über Erwartung) → Bestätigung des Trends
- 16:00 Uhr (CAD) – Ivey PMI: Anstieg auf 53,6
Freitag, 5. Dezember – Datenflut aus Kanada & USA
- 14:30 Uhr (CAD) –
- Employment Change: –1.500, deutlich unter Erwartung
- Unemployment Rate: Anstieg auf 7,0 %
- 16:00 Uhr (USD) –
- Core PCE Price Index: stabil bei 0,2 % m/m → weiterhin kontrollierte Preisdynamik
- UoM Consumer Sentiment: Rückgang auf 52,0 (zuvor 53,6)
- UoM Inflation Expectations: steigen auf 4,5 % → kritisch für Zinspfad der Fed
Fazit
Die Woche liefert ein zweigeteiltes Bild:
Inflationsdaten in den USA und der Eurozone bleiben im Rahmen der Erwartungen – das senkt den Druck auf die Zentralbanken. Gleichzeitig verschlechtert sich der Arbeitsmarkt sichtbar, was zwar die Zinssenkungsfantasie befeuert, aber konjunkturelle Risiken offenlegt.
Besonders brisant: Die Jobdaten (ADP, Challenger, NFP-Vorboten) deuten auf eine Wende am US-Arbeitsmarkt hin. Sollte sich dies in den kommenden Wochen fortsetzen, rückt eine erste Fed-Senkung im März 2026 zunehmend in den Bereich des Möglichen.
Für Anleger bedeutet das:
- Anleihen: Rückenwind für Duration (Zinswende) – erste Bewegungen sichtbar
- Aktien: Selektion entscheidend – Tech & Disinflation profitieren, Zykliker unter Druck
- Währungen: USD mit Gegenwind durch schwächere Daten, aber politisch volatil
- Gold/Krypto: profitieren von Zinswendeerwartung und Reflationierungsszenarien


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